letzte Änderung: 06 Apr 2010
Risikoadaptierte Patienteninformation und -schulung bei nichtspezifischen Rückenschmerzen in der Allgemeinarztpraxis

Carsten Oliver Schmidt, Jean-François Chenot, Michael Pfingsten, Ruth Anja Fahland, Ulf Marnitz, Gabriele Lindena, Klaus Pfeifer, Thomas Kohlmann


Hintergrund
Leitlinien und Versorgungspfade heben die Bedeutung psychosozialer Risikofaktoren für den Verlauf von Rückenschmerzen hervor. Der Risikodiagnostik im Rahmen eines Screenings sowie das Angebot darauf abgestimmter therapeutischer Angebote kommt daher eine potenziell wichtige Rolle in der Patientensteuerung zu. Empirische Befunde zur Beurteilung des Mehrwerts eines solchen risikoadaptierten Vorgehens sind aber noch unzureichend.

Ziele
Die Zielsetzung des Projektes ist es, modellhaft eine Struktur von Informations-, Beratungs- und Schulungsangeboten zu implementieren, die über medizinische Faktoren hinaus auf die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt sind und Gesundheitskompetenzen im Umgang mit den Rückenproblemen fördern. Die Hauptfragestellung lautet: Können durch eine risikofaktorbasierte Intervention gegenüber „treatment as usual" patientennahe Outcomes sowie Versorgungskosten positiv beeinflusst werden?

Methoden
Die Intervention wird als clusterrandomisierte Studie in zwei Studienregionen (Berlin und Göttingen) durchgeführt. Insgesamt 40 Allgemeinarztpraxen nehmen an der Studie teil. Jeweils die Hälfte der Praxen an jedem Standort werden dem Interventions- oder Kontrollarm zugeordnet. 1200 Patienten im Alter von 20-60 Jahren sollen laut Studienplan rekrutiert werden. Alle Patienten erhalten Informationsmaterialien und ein darauf bezogenes Arztgespräch.

In Abhängigkeit vom individuellen Risikoprofil nehmen die Probanden zudem an Schulungen mit bewegungstherapeutischem bzw. psychologischem Schwerpunkt teil. Die Entwicklung der Rückenschmerzproblematik sowie die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen werden nach dem ersten Behandlungsanlass über einen Zeitraum von 12 Monaten mit zwei postalischen Nacherhebungen im Abstand von je 6 Monaten verfolgt. Die primären Zielgrößen sind Funktionsbeeinträchtigungen wegen Rückenschmerzen sowie Arbeitsunfähigkeitstage. 

Stand
Bis Herbst 2008 wurden in Berlin 23 und in Göttingen 17 Praxen rekrutiert. Begleitend wurden Interventionsmaterialien erstellt. Neben den Erhebungsmaterialien (Fragebögen, Informationen für Praxen und Probanden) lag ein besonderer Fokus auf der Erstellung von vermarktbaren Schulungsmaterialien (Leitermanual, Patientenmanual, Mediensätze). Nach einer Pilotierung im Winter 2008 sowie nach obligatorischen Informationsveranstaltungen und Besuchen in allen teilnehmenden Praxen wurde im März 2009 die Probandenrekrutierungen gestartet, kurz anschließend der Beginn der Schulungen.

 

Kontaktdaten
Carsten Oliver Schmidt, Dr., Dipl.-Psych.
Methods of Community Medicine
Institute of Community Medicine
Walther Rathenau Str. 48
17487 Greifswald, Germany
Tel.: 03834 867768
Fax: 03834 867766
Email: carsten.schmidt@uni-greifswald.de