letzte Änderung: 06 Apr 2010
Entwicklung und Evaluation einer ICF-basierten Patientenschulung für Schlaganfallpatienten in der Phase C und D

Hintergrund
Hauptziele von Patientenschulungen im Rahmen der Rehabilitation chronischer Erkrankungen sind, Patienten im eigenverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung zu stärken und sie zu einer möglichst autonomen und selbstbestimmten Lebensgestaltung zu befähigen. Das Verstehen, von welchen Faktoren Funktionsfähigkeit abhängt und dementsprechend wie die eigene Funktionsfähigkeit beeinflusst werden kann, ist von essentieller Bedeutung, wenn diese Ziele erreicht werden sollen. Die ICF ist der universelle Standard für die Beschreibung der Funktionsfähigkeit und der Behinderung von Personen mit Gesundheitsstörungen und kann daher eine solide und umfassende Grundlage für die Entwicklung von Patientenschulungen mit den genannten Zielen bieten.

Ziel
Ziel des Projektes ist es, eine Patientenschulung basierend auf dem Modell der ICF und dem ICF Core Set für Schlaganfall zu entwickeln und zu testen. Ziel der Schulung ist es, das Verständnis der Patienten für die ihre Funktionsfähigkeit beeinflussenden Faktoren zu vergrößern, die Selbsteinschätzung ihrer Kompetenzen bezogen auf die Bewältigung von Schwierigkeiten und Barrieren, die im Alltag die Funktionsfähigkeit beeinflussen, zu erweitern (Selbstwirksamkeit), ihre Fähigkeit zum eigenverantwortlichen Umgang mit ihrer Erkrankung zu stärken (Selbstmanagement) und sie darin zu unterstützen, ihre Belange im alltäglichen Leben möglichst autonom und selbst bestimmt vertreten und gestalten zu können (Empowerment).

Methoden
Die Evaluation der Patientenschulung erfolgt multizentrisch im Rahmen einer prospektiven, randomisiert kontrollierten Interventionsstudie mit drei Messzeitpunkten: pre, post und 6 Monate nach der Intervention. Die ICF-basierte Patientenschulung wird bei Schlaganfallpatienten während ihres Aufenthaltes in einer Rehabilitationseinrichtung durchgeführt. Die Zuteilung der Patienten zur Interventions- oder Kontrollgruppe erfolgt randomisiert jeweils innerhalb einer Klinik. Als primäre Zielgröße wurde Selbstwirksamkeitserwartung, als sekundäre Zielgrößen Funktionsfähigkeit sowie die allgemeine Lebenszufriedenheit festgelegt. Um die Durchführbarkeit und Akzeptanz beider Interventionen zu überprüfen, wurde eine Pilot Studie durchgeführt.

Aktueller Stand
Insgesamt haben sieben Kliniken und eine rehabilitative Einrichtung Ihre Kooperationsbereitschaft verbindlich zugesagt: Reha-Zentrum Nittenau, Klinikum Bad Neustadt, Klinikum Passauer Wolf, Klinikum am Europakanal, Klinik für Neurologie Kipfenberg, Medical Park Loipl, Fachklinik Herzogenaurach und Rehazentrum Isarwinkel in Bad Tölz. In der Pilot Studie wurden 14 Schlaganfallpatienten (9 Männer) eingeschlossen. Acht Schlaganfallpatienten wurden in einer beruflichen Langzeitrehabilitationseinrichtung rekrutiert, sie waren im Durchschnitt 42.76 Jahre alt und erlitten den Schlaganfall vor durchschnittlich 19.88 Monaten. Sechs Schlaganfallpatienten wurden in einer klassischen Rehabilitationsklinik rekrutiert, sie waren im Durchschnitt 55.43 Jahre alt und erlitten den Schlaganfall vor durchschnittlich 38.50 Tagen. Sowohl die Intervention der Kontrollgruppe (N=7) als auch die ICF-basierte Patientenschulung (N=7) wurden von den Teilnehmern beider Kliniken positiv bewertet. Ebenso gaben der Leiter sowie die beiden Beobachter eine positive Bewertung bezüglich Durchführbarkeit und Akzeptanz der Interventionen ab. Kritikpunkte konnten ohne beträchtlichen Aufwand geändert oder angepasst werden. Nach dem Pilot Test wurde ein Schulungsmanual erstellt. Die Effektivität der ICF-basierten Schulung wird derzeit im Rahmen der randomisierten kontrollierten Studie evaluiert. Die Studie befindet sich in der Rekrutierungsphase.

 


Ansprechpartner (Projektleiter)
Dipl.-Psych. Carla Sabariego, MPH
Institut für Gesundheits- und Rehabilitationswissenschaften
Ludwig-Maximilians Universität
Marchioninistr. 17, 81377 München, Deutschland
Telefon: +49 89 2180 78214, Fax: +49 89 2180 78230
Mailto:Carla.Sabariego@med.uni-muenchen.de