letzte Änderung: 06 Apr 2010
Internetbasierte ambulante psychosoziale Nachsorge nach stationärer onkologischer Rehabilitation: Prozess- und Ergebnisqualität eines E-Mental-Health-Moduls

Hintergrund / Ziele
Vor dem Hintergrund des Optimierungspotentials des deutschen Gesundheitssystems bezüglich einer sektorenübergreifenden ‚integrierten' Versorgung ist es Ziel des Projektes, den Nutzen des Internets für den Bereich der psychosozialen Nachsorge nach stationärer onkologischer Rehabilitation wissenschaftlich zu untersuchen. Mit der mittlerweile großen - und noch weiter zunehmenden - Verbreitung moderner Kommunikationstechnologien ergeben sich aktuell neue Möglichkeiten, über diese Technologien eine rehabilitative Nachsorge zu gestalten. Bei der Entwicklung und Implementierung neuer webbasierter Versorgungsmodelle ist deren Effektivität ebenso wie fördernde und hemmende Faktoren der Inanspruchnahme - auch im Sinne einer größeren Patientenorientierung - zu untersuchen.
Im Rahmen des Projektes soll ein ambulantes wohnortunabhängiges und zeitnahes Internetangebot in Form von Chatgruppen (eNachsorge unter Anleitung eines Psychotherapeuten mit zwölf Sitzungen über drei Monate) für Patientinnen mit Brustkrebs sowie für Patienten mit Prostatakrebs und gastroenterologisch-onkologischen Erkrankungen entwickelt und hinsichtlich seiner Effektivität überprüft werden. Das eModul (die Chatgruppe) ist ein offenes, (psycho-)therapeutisch angeleitetes Gruppenangebot nach dem Ansatz einer „zieloffenen" Gruppe mit starker interaktioneller Ausrichtung. Der vorstrukturierte Rahmen ist stark an den Bedürfnissen, Problemlagen und Ressourcen der Patientinnen und Patienten orientiert.

Methoden
Der gewählte Studienansatz beabsichtigt die Realisierung eines randomisierten Designs (zur Stärkung der internen Validität) bei Untersuchung einer klinisch repräsentativen Patientenstichprobe (zur Stärkung der externen Validität und der Möglichkeit der Generalisierbarkeit auf den klinischen Alltag): Mit Bezugnahme auf den Ansatz der Versorgungsforschung soll eine prospektive Mehrzeitpunktbefragung (vor und nach der stationären Rehabilitation, nach der E-Nachsorge sowie zum 6-Monats-Follow-Up) realisiert werden.

Patienten, die eine E-Nachsorge erhalten, werden mit Patienten, die „Treatment as usual" (d.h. keine spezifische E-Nachsorge) erhalten, hinsichtlich ihres Behandlungserfolges (Lebensqualität/ funktionale Gesundheit, psychisches Befinden u.a.) verglichen. Analysen zum Prozess (Prozessparameter, insbesondere Aktivität des Patienten und Zugehörigkeitsgefühl, stehen in Zusammenhang mit einer positiven Einschätzung der Gruppen) ergänzen das Design.
Bei entsprechend positiven Evaluationsergebnissen würde ein effizientes E-Nachsorge Modul für die Routineversorgung zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus kann mit der Studie eine empirische Basis für potentielle Übertragungen auf die Akutbehandlung (z.B. während ambulanter chemotherapeutischer Behandlung) oder auch vor allem auf andere Indikationsbereiche, z.B. andere chronische Erkrankungen, gelegt werden. 

Aktueller Stand
In der ersten Projektphase wurde das internetbasierte Gruppenprogramm, das die Grundlage für die eNachsorge, d.h. die zu überprüfende Intervention, darstellt, manualisiert Eine Pilotphase in einer Klinik (Paracelsus-Klinik Am See, Bad Gandersheim) wurde erfolgreich abgeschlossen, wobei allerdings die Rekrutierungszahlen deutlich unter den kalkulierten Fallzahlen liegen. Derzeit wird die Studie routiniert in einer Klinik durchgeführt und parallel in zwei weiteren Einrichtungen implementiert.

Kontaktdaten (Ansprechpartner)
Birgit Watzke, Dr. phil., Dipl.-Psych,
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52 (Haus W26)
20246 Hamburg
Tel.: +49-(0)40-74105-4883 / Fax: - 4940
E-Mail: watzke@uke.uni-hamburg.de