letzte Änderung: 06 Apr 2010
Die Patient-Behandler-Kommunikation bei chronisch Kranken: Geschlechts- und altersspezifische Präferenzen von Patientinnen und Patienten (Projekt PaBeKo)
Gegenstand des Projekts sind die Gespräche zwischen chronisch erkrankten Patientinnen und Patienten und den sie behandelnden Personen (ÄrztInnen, Pflegekräfte, TherapeutInnen). Als Krankheitsbilder werden chronische Rückenschmerzen und chronische Herzkrankheiten untersucht. Das Hauptziel des Projekts besteht darin, ein Messinstrument (Fragebogen) zur Erfassung der Präferenzen chronisch Kranker im Hinblick auf die Kommunikation mit den Behandlern zu erarbeiten (z.B. Wunsch nach einem gemeinsamem Gespräch über Behandlungsalternativen, Wunsch nach offener Mitteilung aller Krankheitsfolgen, Wunsch nach aufmunternden Worten des Behandlers). Desweiteren soll ein Fragebogen für die Behandler entwickelt werden, um deren Einstellungen zur Kommunikation mit den Patienten zu erfassen. Basierend auf diesen Instrumenten sollen im weiteren Verlauf des Projektes die unterschiedlichen Präferenzen verschiedener Patientengruppen (z.B. Frauen und Männer) betrachtet werden. Aufbauend auf den gewonnenen Ergebnissen ist die Entwicklung einer Behandlerschulung zur Berücksichtigung der Kommunikationswünsche der Patienten geplant, die zu einer Verbesserung der Patient-Behandler-Kommunikation führen soll.
Hintergrund
Die Studie beschäftigt sich mit dem Thema der Patient-Behandler-Kommunikation (kurz: PaBeKo) bei chronisch Kranken. Die Kommunikation stellt das zentrale Element der Patient-Behandler-Interaktion dar. Dabei können sich die Kommunikationspräferenzen von Patient zu Patient deutlich unterscheiden und auch die Präferenzen desselben Patienten können je nach Kontext oder Zeitpunkt variieren. Wichtig ist das individuelle, auf den Zeitpunkt der Behandlung bezogene Assessment der Präferenzen der chronisch Kranken in Bezug auf die Kommunikation mit ihrem Behandler. Als Behandler werden in der Studie neben ÄrztInnen auch Pflegekräfte und TherapeutInnen berücksichtigt. Eine gelungene Kommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass eine Kongruenz besteht zwischen den Erwartungen und Wünschen der PatientInnen bezüglich der Kommunikation einerseits und den entsprechenden Einstellungen und Verhaltensweisen der BehandlerInnen andererseits. Es ist zu erwarten, dass eine funktionierende Patient-Behandler-Kommunikation positiven Einfluss auf Adhärenz und Behandlungserfolg nimmt.

Ziele
Ein zentrales Ziel des Forschungsprojektes besteht aus der Entwicklung und methodischen Prüfung eines Messinstruments zur Erfassung der Präferenzen chronisch Kranker im Hinblick auf die Patient-Behandler-Kommunikation (Fragebogen zu den Kommunikationspräferenzen von PatientInnen, KOPRA-Fragebogen), welches den testtheoretischen Anforderungen des Rasch-Modells genügt. Analog zu diesem Messverfahren ist die Entwicklung eines inhaltlich vergleichbaren Instruments für die Behandler geplant (Fragebogen zu den kommunikationsbezogenen Einstellungen von BehandlerInnen, KOMBEIN-Fragebogen). Zudem soll ein Instrument zur Erfassung des vom Patienten wahrgenommen Kommunikationsverhalten des Arztes/der Ärztin (KOVA-Fragebogen) entwickelt werden

Auf Basis der neu entwickelten Messinstrumente sollen im weiteren Verlauf des Projektes im Rahmen einer quantitativen Datenerhebung methodische Gütekriterien bestimmt und mögliche Einflussfaktoren der Patientenpräferenzen aufgezeigt werden. Dies erfolgt durch eine Analyse der unterschiedlichen Präferenzen
a) weiblicher und männlicher Patienten,
b) PatientInnen unterschiedlicher Altersgruppen,
c) PatientInnen mit verschiedenen Diagnosen und
d) PatientInnen im stationären vs. ambulanten Bereich.
Zudem ist eine Analyse des Einflusses kongruenter Einstellungen bei Patient und Behandler auf das Ergebnis der Behandlung geplant. Schließlich soll basierend auf den gewonnenen Ergebnissen eine Intervention zur Berücksichtigung individueller Kommunikations¬präferenzen der Patienten entwickelt werden, mit deren Hilfe die Patient-Behandler-Kommunikation verbessert werden kann. Den BehandlerInnen soll dabei ermöglicht werden, die individuellen Kommunikationspräferenzen ihrer PatientInnen zu berücksichtigen und somit die Patient-Behandler-Kommunikation flexibler und bewusster zu gestalten.

Methoden
Es werden Patientinnen und Patienten mit chronisch-ischämischer Herzkrankheit und mit chronischen Rückenschmerzen untersucht. In den Vorstudien werden qualitative Methoden (Fokusgruppen, kognitive Pretests mit „Lautem Denken" und „Probing") eingesetzt, in der Hauptstudie erfolgt eine Fragebogenerhebung mit drei Messzeitpunkten. Es werden Item-Response-Modelle, Strukturgleichungsmodelle und Multi-Ebenen-Modelle eingesetzt. Im Rahmen der Datenerhebungen wirken insgesamt 16 Rehabilitationskliniken und 9 ambulante Rehabilitationseinrichtungen mit.

Aktueller Stand

In der Vorstudie 1 wurden jeweils acht Patienten- und Behandler-Fokusgruppen durchgeführt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Es wurde ein Kategoriensystem erstellt, welches insgesamt 46 Kategorien zu relevanten Aspekten der Patient-Behandler-Kommunikation aus Patienten- und Behandlersicht umfasst. Zur Überprüfung der Verständlichkeit und Akzeptanz der entwickelten Fragebögen wurden im Rahmen der zweiten Vorstudie zehn Einzelinterviews mit Patienten durchgeführt. Die Hauptstudie 1, die der Prüfung der psychometrischen Gütekriterien der Fragebögen dient, wurde im Februar 2009 abgeschlossen. Es liegen nun folgende Instrumente vor: Der KOPRA-Bogen (in drei Versionen, für ÄrztInnen, Pflegekräfte, TherapeutInnen), der KOMBEIN-Bogen sowie der KOVA-Bogen. Die Hauptstudie 2, die der Beantwortung der o.g. inhaltlichen Fragen dient, hat im Mai 2009 begonnen.

 

Kontaktdaten
PD Dr. E. Farin
Universitätsklinikum Freiburg
Abt. Qualitätsmanagement und Sozialmedizin
Breisacherstr. 62 / Haus 4
79106 Freiburg
Tel. 0761 / 270-7443 oder -7447
Fax 0761 / 270-7331
Mail erik.farin@uniklinik-freiburg.de

Projektbezogene Publikationen/Vorträge

  • Farin, E., Gramm, L. & Kosiol, D. (eingereichtes Abstract). Die Entwicklung eines Fragebogens zu den Kommunikationspräferenzen von Patienten mit chronischen Krankheiten: der KOPRA-Bogen. 8. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung im Okt. 2009 in Heidelberg.
  • Gramm, L., Kosiol, D. & Farin, E. (2009). Patient-professional communication: Congruence of patients' preferences and professionals' attitudes. 5th World Congress of the International Society of Physical and Rehabilitation Medicine (ISPRM) vom 13. bis 17. Juni 2009 in Istanbul.
  • Kosiol, D., Gramm, L. & Farin, E. (2009). Die Patient-Behandler-Kommunikaton: Kommunikationsbezogene Präferenzen von chronisch kranken Patienten in der Rehabilitation. DRV-Schriften, 83, 67-68.
Links
Aktuelle Projektinformationen und eine Liste der teilnehmenden Kliniken finden Sie unter:www.aqms.de (Laufende Projekte)